Episode 27 - Wie hilft eine Schulbegleitung neurodivergenten Kindern
Shownotes
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Fotoquelle Thumbnail: Kim Hoss
Transkript anzeigen
00:00:08: Das ist das Problem an dem Ganzen.
00:00:10: Wir sehen Inklusion nicht als ein, wir machen Bildung für jeden zugänglich sondern unser System bleibt star und inklusion bedeutet wir pulvern dann Haufen Kohle rein!
00:00:20: Für irgendwelche Leistungen die am Ende dazu führen sollen dass doch des Kind so wird wie wir es gerne haben wollen.
00:00:27: also ich meine das is ableismus pur ne?
00:00:32: Ihr hört Klassenklima der Talk über Schulbegleitung von Esser Beruhr.
00:00:37: In diesem Podcast reden wir darüber, was es bedeutet und braucht um Schubegleiter
00:00:41: zu sein.
00:00:42: Hürden, Kontroversen und Erfolge – all das bespreche ich!
00:00:46: Fee als freie Journalistin diesmal mit Corina Elfe.
00:00:50: Corina war siebzehn Jahre Selbstlehrerin.
00:00:53: Heute ist sie unter anderem Dozentin, Beraterin, Autorin und Podcasterin.
00:00:57: also macht eine ganze Menge und meist mit dem Schwerpunkt Neurodivagenz und Schule.
00:01:02: Ihr Weg zu diesen Themen kam durch ihre eigenen Kinder.
00:01:08: Ich hatte lange ein Kapierfehler selber.
00:01:11: Das ist so heißig, wenn ich unterwegs bin im Internet und zwar habe ich neurodivergente Söhne und der Große kam in die Schule und kam da eigentlich gut klar.
00:01:23: also es gab keine großen Probleme aber ich wurde doch immer wieder darauf hingewiesen dass sich ihn doch mal untersuchen lassen könnte sollte auf eine mögliche adhs.
00:01:34: Und dann habe ich das gemacht, dass so schnell das halt geht mit Termine und Warten.
00:01:39: Als die Diagnose stand meines Sohnes habe ich es immer noch nicht verstanden.
00:01:47: Also ich hab nicht verstanden was das Problem der Lehrkräfte ist sondern was das problem andere Menschen ist.
00:01:53: für mich war das alles so normal Unproblematisch, auch als Lehrerin.
00:01:58: Ich hab da ja schon als Lehrerin gearbeitet und dachte ich habe zig SchülerInnen auf die das passt was hier bei meinem Sohn beschrieben wird und es ist doch kein Problem.
00:02:09: Und naja dann bin ich irgendwann selbst in eine Diagnostik gegangen viele Jahre später und als dann da herausgekommen ist dass ich selbst Adelherr Eslern bin Dann ist also wirklich wie so ein Knoten geplatzt in meinem Gehirn, dann habe ich verstanden Warte Das, was ich für völlig normal und unproblematisch halte liegt daran, dass ich einfach selbst eine Adeher Eslerin bin.
00:02:34: Und dadurch die Welt anders wahrnehme und anders mit den Schülerinnen umgehen und mein Unterricht ganz anders aussieht.
00:02:40: Und das, was Ich als Normal- und problematisch bewährte einen ganz anderen Standard hatte – als das, Was andere vielleicht als problematische bewährten.
00:02:50: Und das war der Moment tatsächlich mit meiner eigenen Diagnose und diesen Plätzen des Knotens, an dem ich gesagt hab.
00:02:59: Ich muss den Menschen erklären, die in der Schule arbeiten, dass sie verstehen, dass da niemand irgendwie mit böser Absicht agiert, sondern dass aus unserer Perspektive vollkommen normal ist was wir machen.
00:03:13: Ja genau so ist das Ganze geboren.
00:03:20: Es war eigentlich erst mal ein Podcastprojekt und aus diesem Podcastprojekt wurde sehr schnell dann ein großer Instagram-Account.
00:03:26: Und ja, da hänge ich jetzt immer noch drin.
00:03:32: Gab es denn also Momente oder Situationen die du jetzt rückwirkend auf deine... Also als du dann Lehrerin warst dass du gesagt hast okay das ist so etwas anders gesehen als du diesen Kapierfehler irgendwie verstanden hast?
00:03:46: Dass sich das geändert hat zurückblickend
00:03:49: Also es hat sich sehr viel verändert rückblickend, sowohl wie ich auf mich geschaut habe als Lehrerin.
00:03:57: Was was ich viel kompensiert habe auch maskiert hab in meinem Schulalltag und wie oft ich weit über meine Grenzen rausgegangen bin.
00:04:10: Ich war mit meinen SchülerInnen tatsächlich eigentlich schon immer sehr inklusiv unterwegs aber mit mir sehr wenig.
00:04:19: Das war dann aber auch tatsächlich der Moment, der dazu geführt hat, dass ich eine viel bessere Lehrerin geworden bin.
00:04:26: Weil ich viel authentischer sein konnte und weil ich mehr auf meine eigenen Ressourcen geachtet habe.
00:04:32: Ich hab mich als Lehrerin total verändert würde sagen, ich bin nahebarer geworden, weil ich authentischer geworden bin, weil nicht mehr die ganze Zeit maskiert hab.
00:04:43: Ja das war schon so ein Punkt.
00:04:46: Du hast ja auch in deinem Buch, also natürlich sehr... Also da können wir gleich nochmal im Detail ein bisschen darüber sprechen was alles in diesem Buch so vorkommt.
00:04:55: Aber in diesen Buch arbeitest du mit einer interessanten Grafik und dieser Normalverteilung das man ja eher außer Statistik kennt.
00:05:03: Also diese typische Kurve die in der Mitte halt irgendwie hoch geht und dann an den Rändern halt abnimmt.
00:05:09: Und in dieser Mitte sagt man immer als in wie diese statistischen Normen eher die Ausreißer halt.
00:05:18: Was bedeutet denn diese Kurve für dich?
00:05:21: oder was passiert mit Menschen, die eben nicht in diese breitere Mitte reinpassen?
00:05:25: Ich finde die Kurve sehr wichtig um die Begriffe neurodivergenz und neurotypisch zu beschreiben und auch um Neurodiversität zu beschreiben, also all diese Begriffe die wir so benutzen.
00:05:37: wenn wir über ADHS-Autismus, Hochbegabung, Discalculi FASD, Trisumier einundzwanzig usw.
00:05:44: sprechen dann haben wir ja das Problem dass das oft als Krankheit, als Störung, als Problem bezeichnet wird und diese Normalverteilungen von Gauss die erklärt uns einfach vielfältig ist, dass es eine Vielfalt gibt.
00:06:03: Dass es aber eine Häufung von bestimmten Merkmalen gibt.
00:06:05: und diese Häufungen führt eben dazu, dass bestimmte Merkmale dann eben so in der Mitte verteilt sind, sodass man sagen kann naja wer so dieses Merkmal hat plus minus Abweichung von, das bezeichnen wir als normal.
00:06:23: also ich mein uns ist ja vollkommen klar jeder hat seine eigene Körpergröße.
00:06:30: Und es gibt natürlich auch Menschen, die gleich groß sind.
00:06:32: aber das ist ja nicht abartig falsch krank oder sonst was wenn man deutlich größer ist als der Durchschnittsmensch oder deutlich kleiner sondern es ist halt anders und es bringt aber Nachteile mit sich Ja?
00:06:44: Wenn ich jetzt als Mann zum Beispiel nur ein Meter fünfzig groß bin dann habe ich mit deutlichen Nachteilen zu rechnen.
00:06:51: Ich muss davon ausgehen dass ich nicht überall Kleidung finde vielleicht mehr Geld ausgeben muss für irgendeinen Anzug, dass ich den vielleicht in irgendwelchen Spezialgeschäften finden muss.
00:07:05: Und das ist eben der Nachteil, der sich dadurch ergibt, dass man nicht der Norm entspricht.
00:07:09: und genau das verwende ich als Bild für eine Neurodivergenz weil jemand mit einem Autismus oder der im Autismus-Spektrum ist, ist er nicht schlechter Aber entspricht halt nicht der Norm.
00:07:22: und die Schule ist halt durchaus ausgelegt für so ein Normkind.
00:07:27: Und wir erwarten, dass ein Kind das in die Schule geht eine bestimmte Entwicklung schon abgeschlossen hat bevor es dahin geht.
00:07:34: Wir machen das immer fest an einem Alter weil das bei den meisten Kindern auch irgendwie möglich ist aber eben nicht bei allen.
00:07:43: Da ist dann die Frage, wie gehen wir damit um?
00:07:45: Wenn ein Kind kommt das aber halt emotional zum Beispiel noch nicht so weit ist oder dass mit der Feinmotorik noch nicht soweit ist.
00:07:54: Oder dass mit den mit der sprachlichen Entwicklung noch nicht zu weit ist und dann wird das sehr schnell pathologisiert und dann gibt es sehr schnell so einen Stempel.
00:08:03: und aber auch irgendwie ist das System selbst plötzlich vor so eine Wand gestellt, weil was machen wir damit jetzt plötzlich?
00:08:13: Dass hier jemand da ist der nicht so funktioniert wie wir uns das vorgestellt haben.
00:08:18: Ja und deswegen ist für mich dieses Bild mit der Normalverteilung eigentlich ein ganz gutes um auch zu beschreiben was aktuell unser großes Problem ist im Bildungssystem.
00:08:29: Corina geht es in ihrer Arbeit also darum sei es den Schulungen in ihrem Buch oder dem Podcast einen Bewusstsein zu schaffen für Heterogenität und Diversität dass alles ein Spektrum und ein von bis ist.
00:08:42: Jetzt gibt es Menschen, die fordern das jede Individualität möglichst gefördert wird.
00:08:47: Doch wie viel kann ein System überhaupt halten und individualisieren?
00:08:53: Also ich glaube, die Frage ist nicht was möglich ist wenn wir die Rahmenbedingungen alle rausrechnen sondern die Frage is', was ist aktuell möglich unter den Rahmenbedienungen, die wir haben?
00:09:04: Und da müssen wir halt einfach sagen Die Lehrkräfte sind halt gar nicht vorbereitet auf Diese Vielfalt.
00:09:11: Man kann nicht Inklusion als deutschlandweites Menschenrecht akzeptieren, unterschreiben – sagen die Kinder haben alle einen Recht auf den Platz in der Regelschule und dann nicht Nächste Aktion, sofort alle Lehrkräfte weiterbilden im Umgang mit Kindern die einen bestimmten Förderstatus haben oder die bestimmte andere Voraussetzungen brauchen um überhaupt in der Regelschule gehen zu können.
00:09:40: Und deswegen würde ich sagen wir brauchen flächendeckende Fortbildungen ganz dringend händeringend damit wir diese Verpflichtung, die wir eingegangen sind möglich machen können.
00:09:59: Und trotzdem sollte das dringend das Ziel sein, dass wirklich jedes Kind in eine Regelschule gehen kann.
00:10:05: Davon bin ich überzeugt und ich weiß, dass es viele gibt die sagen boah aber mein Kind wenn das jetzt in die Regelschuhe gehen würde das wäre furchtbar.
00:10:13: ja also dass ich bin so froh dass es in dieser kleinen Babbelförderschule sein kann und da sage ich ja ich verstehe das unter den aktuellen Rahmenbedingungen.
00:10:21: so wie Schule aktuell aussieht ist es für viele Kinder die Rettung, dass es Förderschulen gibt.
00:10:28: Wirklich!
00:10:30: Aber das kann ja nicht unser Argument gegen eine Ausbildung und eine Ausweitung des inklusiven Gedankens im deutschen Schulsystem sein?
00:10:40: Ja...
00:10:42: Aber wenn du hast vorhin auch gesagt, dass du teils bei Kindern gar nicht das so gemerkt hast früher, dass sie ja anders sind, ne?
00:10:49: Weil dann kann man irgendwie diese Diagnosen und dann hieß es irgendwie so okay, ist das anscheinend nicht der Norm.
00:10:54: Und du hast diese Kinder bei irgendwie schon immer so wahrgenommen mit, ja okay die sind einfach unterschiedlich und ich bin dir jetzt so wie die wir sie sind.
00:11:00: aber wann wird denn aus einem Anders im Wien auffällig.
00:11:07: oder wann fällt dann ein Kind wirklich durchs Raster?
00:11:12: Also ich glaube da muss ich ein ganz kleines bisschen ausholen.
00:11:17: also Ich bin als Mensch einfach nicht die Norm Leerkraft habe eine Biografie wie sie wenige Lehrkräfte mitbringen.
00:11:29: Ich hab zum einen Migrationsgeschichte, ich weiß man sieht mir das nicht an aber ich habe ein Elternteil der sehr schlecht Deutsch gesprochen hat dass nie auf einer deutschen Schule gewesen ist es uns auch mit schulischen Aufgaben nicht hätte helfen können.
00:11:43: mein Vater hat auch selbst überhaupt keinen Schulabschluss gehabt das heißt Er war eigentlich die Person, die hauptsächlich zu Hause gewesen ist.
00:11:51: Meine Mutter war vollständig arbeiten und sehr lange aus dem Haus.
00:11:56: Und wir waren als Kinder sehr früh schon auf uns selbst gestellt.
00:12:00: Wir waren viele Kinder
00:12:02: und
00:12:03: mussten das irgendwie alles hinbekommen.
00:12:06: Das heißt für mich ist es alles andere als selbstverständlich gewesen als Lehrkraft dass es Zuhauseeltern gibt, die helfen.
00:12:14: Für mich ist diese Lebensrealität, die ich quasi selbst gehabt habe ist für mich einfach auch eine Option.
00:12:22: Eine Option, die immer eine Rolle spielt wenn ich kindliches Verhalten
00:12:26: bewerte.".
00:12:28: Das war mir früher nicht klar aber es ist einfach so ja?
00:12:31: Wenn da jemand chaotisch ist und seine Sachen nicht dabei hat und seine Hausaufgaben nicht gemacht hat dann habe ich den nicht verurteilt als irgendwie ein faules Kind der keinen Bock auf Schule hat, der irgendwie provozieren will sondern für mich war da okay das wird wahrscheinlich wenig Unterstützung haben und dadurch war für mich der Auftrag klar er braucht mehr Unterstützung.
00:12:50: Und dann kommen natürlich noch meine ganzen Neurodivergenzen dazu.
00:12:56: Auch dadurch habe ich natürlich mein eigenes Verhalten und das Verhalten meiner Kinder, und das verhalten meiner Geschwister.
00:13:03: Wir sind alle neurodivergent.
00:13:04: inzwischen wissen wir es.
00:13:05: als Kinder wussten wir's nicht.
00:13:09: Das ist ein Verhalten das kenne ich gut ohne es zu pathologisieren.
00:13:13: Ich weiß dass das ein normales Verhalten ist, wenn jemand mit einer ADHS plötzlich unter Druck gesetzt wird oder wenn jemand keine konkrete Arbeitsauftrag bekommt.
00:13:24: Oder eben die Aufgabe nicht so gestellt bekommt das das Gehirn überhaupt was damit anfangen kann.
00:13:29: also habe ich mein Unterricht auch ohne es gewusst zu haben immer so ausgerichtet dass ich da hätte etwas mit anfangen können und dass ich die struktur gehabt hätte die gebraucht hätte als kind.
00:13:40: und das hat halt lustigerweise einfach wieder Total vielen Kindern geholfen.
00:13:45: Wir wissen ja, dass das allen Kindern hilft eben nicht nur Neurodivergenten-Kindern und ich hatte immer Klassen wo ganz viele andere Lehrkräfte gesagt haben meine Güte also mit dieser Klasse da ich überhaupt keinen Bock und die sind so anstrengend und so schwierig und bei mir waren sie nicht anstreggend und schwierig es ging Und gerade die Kinder, die oft zum ganz schlechten Ruf hatten.
00:14:09: Ich empfand sie als total unproblematisch und hatte wirklich einen guten Kontakt zu denen.
00:14:16: Also ab wann wird ein Kind problematisch?
00:14:19: Und wann fällt es durchs Raster?
00:14:24: Ein Kind ist meines Erachtens!
00:14:26: nie problematisch.
00:14:27: Es wächst unter problematischen Bedingungen auf oder zeigt vielleicht auch mal problematisches Verhalten, mit dem wir nicht unbedingt wissen wie wir umgehen können.
00:14:36: aber es fällt dann durchs Raster wenn es auf Lehrkräfte trifft die dieses Verhalten nicht richtig einsortieren können und die daraus etwas machen was gar nicht da ist entweder eine böse Absicht oder eine Charakterschwäche oder irgendetwas was weg erzogen werden muss.
00:14:56: Dadurch kommt das Kind natürlich in eine Prädolie, weil es entweder beweisen möchte, dass es gar nicht so ist wie es da gerade abgestempelt wird oder weil es sich vielleicht irgendwann aufgibt und sagt okay ich kann ja hier machen was ich will.
00:15:12: Es wird immer falsch und verkehrt sein Und unser System bereitet Lehrkräfte nicht darauf vor Verhalten anders zu bewerten.
00:15:26: kümmert sich auch Flächendechnik nicht darum, dass Verhalten eben ein Teil ist oder eine Eigenschaft ist die auch zu Diskriminierung führen kann.
00:15:36: Wir haben auf dem Schirm Herkunft Geschlecht Religion Behinderung Aussehen natürlich aber wir haben ganz wenig aufm Schirm das Verhalten auch etwas ist was diskriminiert werden kann und Das wird immer relevanter.
00:15:55: je mehr Heterogenität im Klassenzimmer vorhanden ist, je mehr Kinder psychisch belastet sind.
00:16:03: Je mehr Kinder mit Fluchtgeschichte da sind, desto relevanter wird es Verhalten endlich als das zu verstehen was es ist.
00:16:11: Jetzt stellt sich für viele trotzdem die Frage Wie kann ich das erkennen und einem Kind etwa als Lehrkraft Schubegleitung oder Erwachsenerperson helfen?
00:16:20: Dafür unterteilt Corina in ihren Schulungen in zwei Bereiche.
00:16:24: Also Auf meinen Schulungen geht es ganz viel um exekutive Funktionsstörungen und um Stressverhalten.
00:16:30: Das sind im Prinzip für mich so diese zwei Kategorien, in denen ich aufmerksam werden muss als Lehrkraft oder als jegliches Sorte von Fachkraft und auch als Elternteil.
00:16:43: Und wo ich einfach für mich lernen muss dieses Verhalten anders einzuordnen und anders darauf zu reagieren.
00:16:53: Exekutive Funktionsstörungen ist einfach das, was alle neurodivergenten Kinder und auch viele psychisch belastete Kinder betrifft.
00:17:01: Das handelt sich um die Bereiche Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit, Planen, Impulskontrolle Sprache sehr viel also so diese sprachliche Flüssigkeit und auch Flexibilität, dass sie auf neue Umgebung anpassen können in neuen Umgebungen sich zurechtfinden usw.. Und wenn wir halt merken, dass ein Kind ständig Sachen vergisst oder immer wieder reineruft und uns nicht warten kann sich zu melden.
00:17:34: Oder nicht anfängt mit Aufgaben alle anderen fangen an aber das Kind fängt nicht an mit Aufgabem dann wird es halt sehr gerne als eine Lustlosigkeit Motivationslosigkeit vielen die Leistungsbereitschaft gewertet Und stattdessen ist es aber häufig einfach eine exekutive Funktionsstörung und sie bräuchten halt Unterstützung beim Anfangen, beziehungsweise beim Strukturieren oder beim Instun kommen.
00:17:57: Beim irgendeine Methode die dazu führt dass Sie Ihre Impulse anderweitig ableiten können ja ohne reinrufen zu müssen.
00:18:10: Das ist das eine und das andere sind halt diese typischen Stressverhalten.
00:18:13: also wenn sie ausrasten oder wenn sie sich komplett zurückziehen, oder gar nicht mehr kommen.
00:18:20: Wenn Sie regelmäßig plötzlich zu Hause bleiben oder immer wieder Kopf- und Bauchschmerzen haben und nach Hause gehen – das sind im Prinzip Alarmsignale.
00:18:30: Also eigentlich so diese Stresssignale mehr als die exekutive Funktionsstörung, weil die ist einfach tägliches Brot.
00:18:36: aber die Alarmsignal auch wenn jemand überhaupt keine eigene Meinung hat Plappert einfach nur noch alles nach und ist einfach nur am Funktionieren.
00:18:48: Krasser Perfektionismus und so, ne?
00:18:51: Das sind für mich die Zeichen.
00:18:54: Jetzt sind wir ja irgendwie an einem Punkt im Podcast, wenn wir über diese Kinder mit dir sehr individuelle, wenn mir sie über sehr individuellen Auffälligkeiten, auffälligkeiten in großen Anführungszeichen gesprochen oder Schwierigkeiten im System und wie als SAB sind der dann ... Oder SAB Ruhr an der Stelle, dass wir mit Schulbegleitungen zum Beispiel unterstützen.
00:19:16: Die ja auch sehr häufig bei Kindern mit Neurodeveganz in den Jugendlichen eingesetzt werden.
00:19:24: Was ist denn deine Erfahrung als vielleicht damals mit Lehrerin oder jetzt auch als Beraterin?
00:19:30: Was können Schulbekleidung überhaupt verändern so für neurodevegante Kinder?
00:19:35: Bei mir als sechzig Prozent aller Autistinnen weiß man das sie ohne ihre individuelle Schulbeleitung nicht in die Schule gehen könnten.
00:19:44: Und diese Zahlen, die sagen im Prinzip schon alles.
00:19:49: also was können Schulbegleitungen verändern?
00:19:53: Sie machen möglich dass Kinder überhaupt in die schule gehen können.
00:20:01: und ja natürlich das funktioniert vielleicht nicht bei allen und es kommt total drauf an wie man als Schulbeleitung ist.
00:20:10: aber Meine Erfahrung ist in der Arbeit mit Eltern, die eben Kinder mit Schulbegleitungen haben.
00:20:19: Die Schulbekleidung muss hauptsächlich Verbündeter des Kindes sein und wenn das Kind sich da gesehen fühlt und das Gefühl hat von Korregulation, von ... Der versteht mich wenigstens oder die, die da an meiner Seite sitzt Und verurteilt mich nicht und drückt mir nicht schon wieder irgendeinen blöden Spruch rein, den ich sonst ja schon den ganzen Tag höre.
00:20:43: Dann ist das Kind bestmöglich stabilisiert und traut sich dann auch in die Schule zu gehen an sich zu zeigen.
00:20:52: Das heißt du würdest es auch so sehen dass die Schulbegleitung eigentlich auch sehr viel als mittler agiert zwischen Lehrkraft und wahrscheinlich auch Mitschülerinnenlande?
00:21:03: Das wäre natürlich schön, wenn es das zusätzlich machen würde.
00:21:07: Ich sehe die Schulbegleitung einfach wie so ein... ich stelle mir immer vor, wir haben diese Bäumchen, diese kleinen noch dünnen in einem Sturm halt niemals ... stehen bleiben würden, die würden sofort abbrechen.
00:21:19: Und dann bauen wir da halt so ein Pflok neben dran und binden dieses kleine Bäumchen an diesen Pflock ran.
00:21:25: In diesem Bild sehe ich halt die Schulbegleitung.
00:21:28: Das ist wie dieser Pflog, an dem sich dieses kleine Bäumchen so ein bisschen anlehnen kann.
00:21:33: Es muss trotzdem noch im Wind stehen, es muss am Ende trotzdem selber groß werden.
00:21:36: Der Pfloc kommt auch irgendwann raus.
00:21:39: Da wird nicht irgendwie Teil dieses Bäumchens oder sowas... Und das ist so die primäre Aufgabe.
00:21:47: Ich glaube, als Schulbegleitung muss man sich erst mal primär als das sehen und dann gilt als Zweites halt wirklich die Interessen des Kindes zu vertreten und sich nicht irgendwie zur erweiterten Hand der Lehrkraft machen zu lassen oder der Schule weil sonst ja ... Sonst isst man wahrscheinlich dieser Pflok gar nicht.
00:22:11: Eine Schulbegleitung ist erst mal für das Kind da.
00:22:16: Das heißt, dass sich das Wohlbefinden des Kindes steigern soll – dass es sich stabilisieren kann in der Schule und so weiter.
00:22:24: Aber es gibt häufig auch die Erwartungshaltung, dass das Kind von heute auf morgen mit der Schulbeleitung funktionieren soll, dass es gar kein auffälliges Verhalten mehr zeigen soll und auch die schulischen Leistungen besser werden
00:22:35: sollten.".
00:22:38: Also ich meine, das ist Abelismus pur ne?
00:22:42: Das kann man nicht anders sagen, das ist der Ausdruck eben genau dieses Abelismus.
00:22:46: Der so tief in diesem System verankert ist und der so vielen einfach nicht bewusst ist.
00:22:54: Und wenn uns so es so sehen wir aktuell Inklusionen?
00:22:58: Das ist das Problem an dem Ganzen!
00:23:00: Wir sehen Inklusion nicht als ein... ...wir machen Bildung für jeden zugängig sondern und dafür muss sich das System irgendwie Man muss das Nischen bilden, in denen alle sich irgendwie jeweils zurechtfinden können.
00:23:14: Sondern unser System bleibt da und Inklusion bedeutet wir pulvern dann Haufen Kohle rein für irgendwelche Leistungen die am Ende dazu führen sollen dass doch des Kind so wird wie wir es gerne haben
00:23:26: wollen.".
00:23:27: Und auch mit Nachteilsausgleichen das Identische werden da zehn Maßnahmen aufgeschrieben.
00:23:33: und wenn das Kind sich durch diese zehn Maßnahmen aber dann halt nicht wie ein ganz normales Kind verhält, dann lassen wir den Nachteil ausgleich doch auch weg weil dann bringt er uns ja gar nichts.
00:23:42: Aber es geht nicht darum was es euch bringt.
00:23:44: Es geht nicht um die Frage was es dir als Lehrkraft bringt oder was ist der Klasse bringt sondern was es dem Kind bringt?
00:23:50: Und ob das Kind durch die Schulbegleitung es schafft in die Schule zu gehen und dort etwas zu lernen.
00:23:59: Schon allein einfach mal die Schulpflicht zu erfüllen.
00:24:02: Das ist ja eine große Aufgabe, die viele Kinder bewältigen müssen und manchen wird gar nicht bewusst wie groß diese Aufgabe
00:24:17: was jetzt irgendwie dem Job nachgeht und auch das Ziel hat im besten Fall, dass das Kind da dann etwas lernt.
00:24:23: Und es dem Kind besser geht also auch emotional einfach gut geht.
00:24:28: aber inwiefern kann denn dann überhaupt eine Schulbegleitung als sehr kleine Flock zum Beispiel dieses Bild im System überhaupt vielleicht ne Systemveränderung erfüllen und nicht dazu beitragen Man vielleicht selber diesen Ablesmus weiter trägt und das Kind vielleicht auch selbst dann sagt, du musst dich jetzt irgendwie anpassen oder so.
00:24:52: Ja, das ist ein Problem.
00:24:54: Das ist schwer!
00:24:55: Also es ist richtig schwer ja weil ja schon allein auch wieder eine Hierarchie besteht, weil die Schulbegleitung ja auch schon wieder weiß was auf dem Spiel steht wenn das nicht funktioniert.
00:25:10: also das Spiel steht ja auf der einen Seite auf dem spiel ob die schulbegleitungen weiter genehmigt wird.
00:25:16: Und dann steht ja auch auf dem Spiel, ob das Kind die Chance hat an diese Schule weiterzugehen und dadurch entsteht einfach ein sehr großer Druck.
00:25:29: Das ist ein großes Problem.
00:25:30: Was wäre denn etwas was zur Schulbegleitung sonst mitgeben würde?
00:25:34: Wo du sagst da sind so Dinge auf die man vielleicht Ich meine, das ist schon schön mit dieser Metapher von Nimmern als Kindes und nicht an der Seite des Schulsystems.
00:25:43: Aber was sind so Dinge, die du irgendwie noch mitgeben würdest?
00:25:49: Einfach... also für mich ist es immer dieses Austricksen aller Lücken, die möglich, die existieren wirklich!
00:25:56: Also ich möchte dass auch immer Lehrkräften unbedingt aussprechen diesen Mut zu haben, Lücken zu finden und sie zu nutzen.
00:26:08: Ja, und wenn die Regelung ist ihr könnt mit eurem Kind dann in einen anderen Raum gehen.
00:26:12: Wenn es dem Kind gerade zu viel ist und ihr merkt vielleicht wäre das jetzt grade noch nicht der Moment aber ihr seid jetzt vielleicht auch an eurer Grenze gerade weil ihr in irgendeine komische Rolle gedrückt werdet Und und ihr könnt dann mit dem kind da drüben vielleicht irgendwie eine gute zeit haben Dann dann ist das vielleicht auch Gut das einfach zu machen und nicht zu sagen, aber wir drücken jetzt diese fünfzehn Aufgaben durch damit dann nachher die Lehrkräfte zufrieden ist mit uns beiden.
00:26:40: Und ja ich empfehle auch immer weil gerade Walneurodivergentekinder wenige Verbündete haben grade Erwachsene immer wieder auch dieses ganz klare Bindness zu siegeln.
00:26:58: also so Weiß ich nicht, so ein Bier zwei.
00:27:02: Wir sind hier ein Team des... Dass es auch Gemeinsam schafft, manchmal zu tricksen.
00:27:11: Dann schreib' ich halt mal fünf Aufgaben da rein, obwohl ich das eigentlich gar nicht darf damit einfach Ruhe da ist.
00:27:21: Ich weiß nicht ob das jetzt gerade irgendwie Sinn ergeben hat aber...
00:27:24: Doch!
00:27:24: Das macht Sinn.
00:27:25: Also
00:27:26: nimm dir bitte so viel raus, wie du dir herausnehmen kannst um Stress von dir und von diesem Kind fernzuhalten.
00:27:36: Und natürlich bringt es überhaupt nichts in den Machtkampf mit einer Lehrkraft zu gehen die da irgendwie kontrolliert und vorschreibt und tut und macht.
00:27:46: aber vielleicht kann man ja auch so wie wenn man sich in seine eigene Schulzeit zurück versetzt wird dann ein bisschen bescheißen halt Um so zu tun, als würde man dem allen gerecht werden was da gerade gesagt wird und trotzdem macht man es aber ein bisschen anders.
00:28:02: Das ist natürlich nicht ganz so einfach!
00:28:04: Und im Endeffekt ist das auch etwas schade dass es dann an einzelnen Personen im Schulsystem hängt etwas zu verändern oder in den Graubereichen zu agieren.
00:28:13: Deshalb hat Corinne noch eine Forderung
00:28:17: Wir müssen aufhören gegen Heterogenität anzukämpfen in Schulen.
00:28:22: Das machen wir sehr intensiv in Deutschland In denen wir sehr
00:28:24: früh
00:28:25: trennen indem wir so ein Gefühl vermitteln von Kindermüsten in leistungshomogenen Klassen arbeiten, um ihr bestmögliches Potenzial irgendwie rauszuholen.
00:28:37: und schon allein dieser Gedanke verhindert Inklusion.
00:28:42: Heterogenität ist in Deutschland Standard.
00:28:46: Wir werden das nicht bekämpfen und selbst wenn wir hier in drei, vier, fünf, sechs verschiedene Parallelsysteme unterteilen – es bleibt Heterogenen!
00:28:54: Also schon allein die Vorstellung ich hätte eine Klasse mit nur Neurodivergenten kennen und die Leute würden denken dass jetzt eine homogene Klasse da muss sich einfach lachen?
00:29:03: Das isst alles andere als ne homogene klasse.
00:29:07: also... Wir kriegen unsere Klassen nicht homogen und damit gehört sich für mich, dass verschiedene Lebensrealitäten einfach Teil sein müssen von Lehrkräfterausbildung.
00:29:19: Von Lehrkräfte Weiterbildung.
00:29:21: Lehrkräften müssen auch über Verhalten etwas lernen Und das Schöne ist ja, sie müssen jetzt nicht irgendwie sich mit Depressionen, mit Trauma, mit Chizophrenie, mit Borderline, mit bipolarer Störungen.
00:29:35: Jetzt kommen die Neurodivergenzen ADHS, FASD, Autismus-Spektrum usw.
00:29:39: auskennen – brauchen Sie nicht!
00:29:41: Weil runtergebrochen sind es immer zwei zentrale Themenfelder.
00:29:46: Das eine sind die exekutiven Funktionen und das zweite sind Umgang mit Stress und Verhalten, dass im Kontext Stress steht Und da braucht es einfach Sichtbarkeit von ganz vielen Lebensrealitäten, damit Lehrkräfte so aus ihrer doch sehr privilegierten Bubble mal rauskommen und verstehen.
00:30:08: Es haben nicht alle die Möglichkeit mittags noch zehn Minuten Mathe zu machen!
00:30:12: Es haben keine Möglichkeiten.
00:30:14: Es gibt Kinder, die wollen Schule und Zuhause vollständig voneinander getrennt haben.
00:30:20: Die wollen zu Hause nichts mehr mit Schule zu tun haben und da können die Eltern noch so engagiert, gebildet finanziell gut ausgestattet sein.
00:30:28: Zeit haben das Kind verweigert.
00:30:30: Zuhause lernen was machen denn diese Familien?
00:30:35: Also Lebensrealitäten müssen sichtbar werden und dass ist definitiv ein Auftrag an Schulen.
00:30:43: Das kann man auch machen, ohne dass einem das verordnet wird.
00:30:46: Jeder der in der Schule die Möglichkeit hat, Fortbildungen zu platzieren zum Thema Rassismuskritik, zum Thema Inklusion, zum Umgang mit Verhalten sollte das machen dringend.
00:31:00: und dann geht es meines Erachtens einfach in Richtung Bildungspolitik.
00:31:04: Es muss an Ressourcen Es müssen Ressourcen ins Bildungssystem eingebracht werden, sodass Lehrkräfte eben mehr Zeit haben sich auch mit einzelnen Kindern beschäftigen zu können.
00:31:20: Dass es auch mehr verschiedenes Personal gibt also auch mehr Professionen in den Schulen nicht nur Lehrkräften die dann plötzlich alles abdecken müssen.
00:31:30: Stichwort Multiprofessionalität Und meines Erachtens das Neurodivergenz einfach.
00:31:35: Das sind zehn bis fünfzehn Prozent aller Kinder, dass die halt auch mal mitgedacht werden von Anfang an dann hätten wir schon viele Probleme
00:31:41: gelöst.".
00:31:43: Das war Klassenklima – der Talk über Schuhbegleitung von der SAB Ruhr!
00:31:47: Ich würde mich freuen wenn ihr in der nächsten Folge mal reinhören würdet.
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